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Über die Zukunft der
beruflichen Bildung in Dänemark
Unter einer liberal geführten Regierung wurden
in den 1980ern der wirtschaftliche Rahmen und die Struktur der
Ausbildung an den dänischen Berufsschulen entworfen. Der
Staatshaushalt des Jahres 1991 setzte die Vorstellungen in
Gesetzesform um. Tenor des Gesetzes war, dass verstärkte Konkurrenz
unter den Schulen diese qualitativ voranbringen sollten.
Vorausschicken möchte ich eine kurze
Information über die Grundkonstruktion der Handelsschule, die im
Wesentlichen drei Zielgruppen anspricht: Die Grundausbildung ist
für Volksschulabgänger gedacht, die später eine praktische Lehre
absolvieren möchten, der gymnasiale Zweig erteilt die
Hochschulreife, die Erwachsenenweiterbildung bietet Erwachsenen
quasi gebührenpflichtige Kurse an, die sich finanziell tragen
müssen.
Vor 1991 legte das dänische
Unterrichtsministerium zentral die Zahl der einzurichtenden Klassen
sowie deren Klassenstärke fest. Ab 1991 wurde es den Schulen selber
überlassen, die Zahl der Zugelassenen für die Grundausbildung der
Handelsschulen (HG) zu bestimmen. Die Praxis sah dann so aus, dass
allen Schülern, die rechtzeitig einen Aufnahmeantrag gestellt
hatten, eine Genehmigung erteilt wurde.
Auch der gymnasiale Zweig der Handelsschule
(HH) wurde derart gestaltet. Jedoch galt die Vorbedingung, dass nur
jene Schüler aufgenommen wurden, die fachlich geeignet und
studienreif waren.
Was die Erwachsenenweiterbildung betrifft, so
erleben die Handelsschulen seit 1991 eine drastisch steigende
Nachfrage; allerdings auch deutlich veränderte finanzielle
Rahmenbedingungen.
Für den quantitativen Schub in der
Erwachsenenbildung sind hauptsächlich zwei Ursachen zu verzeichnen:
Zum einen haben die rückläufigen Jahrgangsstärken bei den
Jugendlichen einen erhöhten Bedarf an Kompetenzentwicklung bei
Erwachsenen bewirkt, zum anderen haben unsere Abnehmer neue
Organisationsformen entwickelt und sie in den Betrieben schon
umgesetzt. Die Verwendung neuer Technologien verlangt eine
verstärkte Weiterbildung der Mitarbeiter.
Die finanziellen Wechselbäder der
Handelsschulen rühren daher, dass das dänische Finanz- und
Unterrichtsministerium sich vorbehalten hat - und sei es auch mitten
im Finanzjahr! - einzugreifen und den Kostenrahmen der Kurse neu zu
bestimmen. Das hat mehrfach dazu geführt, dass bei der Finanzierung
der Kurse insofern Änderungen vorgenommen wurden, als für Kurse
bei ent-sprechend niedriger Teilnahmegebühr in einem Jahr eine
freie Aufnahme gewährt wurde, während im darauf folgenden Jahr
für die gleichen Kurse Zulassungsbegrenzungen und hohe
Teilnehmergebühren verordnet wurden. Die häufigen Änderungen in
der Erwachsenenweiterbildung begründen sich in dem Wunsch, den
staatlichen Ressourcenverbrauch dem Bedarf an Weiterbildung
anzupassen, der bei den Betrieben festgestellt wird.
Vor 1991 wurde vom Unterrichtsministerium jeder
Handelsschule ein Haushaltsrahmen vorgegeben, der von der Zahl der
bewilligten Klassen und Schüler der jeweiligen Handelsschule
bestimmt war. Die Schulen konnten dann zusätzliche Bewilligungen
beantragen. Seit 1991 bekommt jede Handelsschule eine finanzielle
Grundausstattung sowie einen Zuschuss, abhängig von der
Schülerzahl. Diesen nennen wir den Taxameterzuschuss.
Vor 1991 hatte jede Handelsschule eine
Planstellennormierung. Wenn eine Handelsschule einen neuen Lehrer
einzustellen wünschte, musste innerhalb der Lehrernormierung Platz
sein und die Einstellung musste vom Unterrichtsministerium
abgesegnet werden. Seit 1991 steht es in der Verantwortung jeder
einzelnen Handelsschule, für die benötigte Zahl qualifizierter
Lehrer selbst zu sorgen.
Seit den 1950ern sind die Handelsschulen in
Dänemark selbstständige Institutionen mit eigenen Vorständen,
aber erst die strukturellen Änderungen von 1991 ermöglichten eine
Verwaltung in eigener Zuständigkeit. Etwas salopp formuliert kann
man sagen, dass wir das Recht erhielten, einen erwirtschafteten
Überschuss selber zu behalten; gleichzeitig bekamen wir aber auch
das Recht, Pleite zu gehen. Was wir heute erleben, ist, dass die
Schulen wie folgt denken: Entweder sind wir eine Schule, die nach
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben wird, oder wir
sind ein Betrieb, der Ausbildung verkauft. Sie sehen: die Strategien
der Schulen sind eindeutig marktorientiert.
Heute entscheidet der lokale Vorstand der
Handelsschule, der aus Vertretern der Parteien des Arbeitsmarktes,
Vertretern des Stadtrates sowie des Kreistages, Vertretern der
Mitarbeiter und der Schüler besteht, über alle wesentlichen
Belange des Schulbetriebes. Es geht dabei um wesentliche Gebiete wie
· Vision/Profil der Schule, Strategien,
Zielsetzungen und Handlungspläne
· Zahl der Lehrerdeputate
· Zahl der technisch-administrativen Deputate
· Einstellung/Kündigung des Schuldirektors
· Ressourcenverbrauch bezüglich Unterrichtsmaterialien und Technik
(z.B. IT)
· Um- und Neubau
· Ausschreibung/Outsourcing
Die strukturellen Reformen von 1991 sind
anschließend von zahlreichen Unterrichtsreformen begleitet worden,
die das Profil und den Inhalt der Ausbildung angepasst haben.
Die Berater des Unterrichtsministeriums, die Parteien des
Arbeitsmarktes und die Schulen selbst haben in den letzten 10 bis 11
Jahren markante Veränderungen in den Ausbildungsgängen
vorgenommen. Manche sehen diese häufigen Reformen als Stärke,
andere hingegen als Schwäche an. Ihre Stärke liegt darin, dass die
Ausbildung immer den Bedürfnissen der Abnehmer in der Wirtschaft
angepasst wird; die Schwäche liegt darin, dass besonders kleinere
Betriebe sich schwer tun, die Veränderungen in den Kompetenzen der
jungen Menschen, die in den Betrieben angestellt werden, zu
verstehen und zu akzeptieren.
Die Art des Unterrichtens hat sich in den
letzten 10 bis 11 Jahren ebenfalls geändert. Heute wird der
Unterricht häufig in Form von Kursen in den ‚Essentials' der
Fächer in Kombination mit einem fächerübergreifenden,
projektorientierten Unterricht gestaltet, der Zusammenhänge und
eine Ganzheit vermitteln soll. Dieser Trend wird in den kommenden
Jahren weiterentwickelt werden. Man darf auch erwarten, dass die
Schulen in noch höherem Maße web-basierten, virtuellen Unterricht
entwickeln werden.
Das dänische Ausbildungssystem hat eine
jahrelange Tradition darin, das Hauptaugenmerk darauf zu richten,
dass die Schüler sowohl fachliche als auch persönliche und soziale
Kompetenzen erlangen. Darum ist auch der Beruf des Lehrers in
ständigem Wandel begriffen. Wir gehen in eine Zeit hinein, in der
darauf Wert gelegt wird, dass sich die Schüler selbstständig diese
Kompetenzen aneignen und die Rolle des Lehrers die eines Ratgebers
sein wird. Aufgabe der Schulen wird es daher sein, den Schülern
Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, die ihnen die
Möglichkeit bietet diese Kompetenzen zu entwickeln.
Die Skanderborg-Odder Handelsskole hat eine
Vision. Sie lautet etwa so: "Wir wollen den Schülern für ihre
Ausbildung einen Rahmen schaffen, der es ihnen ermöglicht,
fachliche, persönliche und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Wir
wollen ihnen das nötige Rüstzeug mit auf den Weg geben, um sich in
der Gesellschaft zu behaupten - national wie auch
international."
Wir haben eine Reihe strategischer
Einsatz-Schwerpunkte gesetzt; so bieten wir z.B. den Schülern ein
internationales Programm an, das ihre interkulturellen Kompetenzen
stärkt. Wir haben ein ‚Open Learning Center' mit freiem Zugang zu
IT und mit freier Betreuung durch eine Reihe von Fachberatern
eingerichtet und wir organisieren mehr fachübergreifende Projekte,
als in den ministeriellen Richtlinien für die Fächer und für die
Ausbildungen vorgeschrieben sind.
In Kurzfassung: Wir wollen, dass die ‚Kurse'
in den jeweiligen Fächern die ‚Essentials' der Fächer sichern
sollen. Und die Art, wie der Unterricht organisiert wird, z.B. der
fächerübergreifende Themenunterricht, soll den Schülern eine
persönliche Kompetenzentwicklung ermöglichen. Das internationale
Angebot der Schule soll im Unterricht einen Mehrwert schaffen und
die Schüler in die Lage versetzen, ein internationales Verständnis
zu entwickeln und internationale Erfahrungen zu sammeln.
Die Handelsschulen sollen in Bezug auf Inhalt
und Niveau der Fächer einer Reihe von ministeriellen Vorschriften
genügen. Dies sicherzustellen liegt in der Verantwortung der
Schulleitung. National gibt es ein Corps von Bewertern, das unter
anderem die Aufgabe hat, eine einheitliche Bewertung des fachlichen
Niveaus der Schüler zu sichern. Es hat aber auch die Aufgabe,
darauf zu achten, dass die ministeriellen Vorschriften eingehalten
werden. Für den gymnasialen Zug wurde ein Bewerter-Corps
eingerichtet, das bei allen gymnasialen Ausbildungen in ganz
Dänemark tätig ist. Jede Schule hat außerdem eine
Evaluations-Prozedur für die eigene Schule. Vor ein paar Jahren hat
das Unterrichtsministerium das Dänische Evaluationsinstitut
gegründet, das in eigener Initiative Qualitäts- und
Zielsetzungsevaluationen von Ausbildungen, Ausbildungsrichtungen und
Schulen vornehmen kann.
Wesentlich für die Qualitätssicherung der
Ausbildungen sind die Anforderungen an die Lehrer bezüglich
Vorbildung und Weiterbildung. Ein Handelsschullehrer muss eine
mindestens zweijährige einschlägige Betriebserfahrung nachweisen
können; außerdem muss er 1 bis 2 Handelsfachlehrerprüfungen
bestanden sowie ein Pädagogikum absolviert haben. Beim Abschluss
der Tarifverhandlungen mit den Lehrern wurden jedem Lehrer jährlich
mindestens 50 Stunden für fachliche/persönliche Entwicklung
zugestanden.
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